Eine kleine Entzündung…

Irgendeine war im 2. Lehrjahr auf einer Allgemeinchirurgie.
Im Frühdienst gab man mir die Aufgabe, den neu aufgenommenen und leicht dementen Pat. Peter M. für seine Gallensteinentfernung vorzubereiten.
Ich schickte ihn samt Frau und Tochter schon mal aufs Zimmer, während ich mir noch das benötigte Material zusammensuchte.
Bewaffnet mit Rasierer, Unterlage und Handschuhen betrat ich also das Zimmer von Hr. Meier.
Ich erklärte der Runde, dass ich Peter nun rasieren werde, woraufhin die Ehefrau mir sagte: „Ach Schwester, mein Mann hat am Penis eine kleine Entzündung, aber das ist für die OP doch sicher keine Problem?“
Peter schien mit der ganzen Sit. etwas überfordert, weshalb ich ihm nochmal langsam erklärte, was ich jetzt machen wollte.

Als ich die Unterlage ins Bett legte, zeichnete sich unter der Hose schon ein verdächtiger Hubbel ab.
Als ich die Schutzhose (für nicht-Pflegekräfte: Das „Fach“wort für Windeln für Erwachsene) runter zog, klebte sie fest. Böses schwante mir.
Ich zog vorsichtig weiter bis ich eine Art blutig-eitrigen Fleischklumpen freigelegt hatte. Nichts,aber auch gar nichts erinnerte daran, dass an dieser Stelle mal ein Penis gewesen war.
Ich hatte bis dahin schon sehr viele, sehr eklige Wunden gesehen, aber DAS übertraf alles.

„Tut das nicht weh?!“, entfuhr es mir. Peter schaute mich ganz erstaunt und auch ein bisschen erschrocken an und antwortete: „Nein, was ist denn los Sr.?“
Ich murmelte etwas von „Ich hole mal die Stationsleitung!“ und flüchtete. Die Stationsleitung sah sich das Ganze an und schickte mich den Stationsarzt holen. Nach meiner Schilderung fackelte er nicht lange und ließ direkt den Chefarzt antanzen.

Der warf einen Blick auf den Fleischklumpen und wandte sich an mich: „Irgendeine, Sie sind doch Azubi, nicht wahr? Laufen Sie mal durchs Haus und sammeln Sie alle Azubis und Studenten ein. Sowas sehen Sie wahrscheinlich nur einmal in Ihrer Karriere!“

Ich tat, wie mir gesagt wurde und kam mit einer Schar angehender Pflegekräfte und Ärzte im Schlepptau zurück. Nachdem alle einmal gekuckt hatten und wieder abgezogen waren, hörte ich die Ehefrau noch fragen: „Herr Doktor, für die OP ist das aber jetzt kein Problem, oder?“
Wenig später standen dann die Sanis vom Krankentransport da und haben Peter in die Urologie des Nachbarkrankenhauses gefahren.
Im Nachhinein habe ich erfahren, dass es sich um ein exulcerierendes Peniskarzinom im Endstadium (Wer hätte das gedacht!) handelte und der Pat. wenige Tage später in dem anderen Krankenhaus verstorben war.

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